Michael van Gerwen kritisiert den vollen PDC Kalender

Michael van Gerwen und Van der Voort kritisieren PDC Kalender: 280 Tage unterwegs?
Der PDC Kalender wächst weiter. Mehr Turniere, neue Austragungsorte und zusätzliche Ranglistenwettbewerbe bieten den Profis mehr Möglichkeiten als je zuvor. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Belastung ein Spieler über eine komplette Saison überhaupt verkraften kann.
Michael van Gerwen und Vincent van der Voort haben genau dieses Problem angesprochen. Nach ihrer eigenen Berechnung könnte ein Spieler, der praktisch alle angebotenen Turniere bestreitet, ungefähr 280 Tage im Jahr nicht zu Hause sein.
Für Van der Voort ist klar: Kein Profi kann dauerhaft jedes Turnier spielen.
Rund 280 Tage Reisen, Turniere und Hotels
Die Zahl wirkt zunächst extrem.
Wer sich den modernen PDC Kalender genauer ansieht, erkennt jedoch schnell, wie die Belastung entsteht.
Neben Weltmeisterschaft und großen Ranglistenturnieren gibt es zahlreiche Bodenturniere, die europäische Turnierserie, internationale Einladungswettbewerbe und für die besten Spieler zusätzlich die Premier League.
Dazu kommen Qualifikationsturniere und teilweise lange Reisen zwischen verschiedenen Ländern.
Ein Spieler, der überall antreten möchte, verbringt deshalb einen erheblichen Teil des Jahres mit Reisen.
Gerade für Profis mit Familie stellt sich irgendwann die Frage, ob wirklich jedes Turnier sinnvoll ist.
Van Gerwen wählt seinen Kalender inzwischen gezielter
Auch Michael van Gerwen tritt längst nicht mehr bei jedem angebotenen Wettbewerb an.
Das führt regelmäßig zu Diskussionen, besonders wenn große Namen Bodenturniere oder Veranstaltungen der europäischen Turnierserie auslassen.
Van der Voort hält diese Kritik allerdings für zu einfach.
Aus seiner Sicht müssen Dartspieler ihren persönlichen Spielplan genauso bewusst zusammenstellen wie Spitzensportler in anderen Disziplinen.
Entscheidend sei nicht, möglichst viele Turniere zu spielen, sondern bei den wichtigsten Wettbewerben leistungsfähig zu bleiben.
Gerade Van Gerwen befindet sich aktuell in einer Phase, in der diese Entscheidung besonders wichtig wird. Seine Position in der Weltrangliste steht stärker unter Druck als in früheren Jahren. Gleichzeitig bringt jedes zusätzliche Turnier körperliche und mentale Belastung.
Späte Absagen sorgen für ein anderes Problem
Van der Voort kritisiert allerdings nicht nur den Umfang des Kalenders.
Problematisch findet er auch, wie spät Spieler ihre Teilnahme teilweise absagen können.
Wenn ein Profi bereits lange vorher weiß, dass er ein Turnier nicht spielen möchte, sollte diese Entscheidung seiner Ansicht nach früher feststehen.
Kurzfristige Absagen können Auslosungen verändern und Nachrücker vor organisatorische Schwierigkeiten stellen.
Die Swiss Darts Trophy in Basel lieferte gerade wieder ein Beispiel dafür, wie mehrere bekannte Spieler kurz vor dem Turnier aus dem Teilnehmerfeld verschwinden können.
Für Veranstalter und Ersatzspieler wäre mehr Planungssicherheit hilfreich.
Europatour und Bodenturniere besser verbinden?
Eine mögliche Lösung sieht Van der Voort in einer stärkeren Verbindung verschiedener Turnierserien.
Bodenturniere könnten beispielsweise häufiger in zeitlicher und geografischer Nähe zu Veranstaltungen der PDC Europatour stattfinden.
Spieler müssten dann nicht für mehrere einzelne Wettbewerbe jeweils separat reisen.
Auch Qualifikationsturniere könnten näher am eigentlichen Veranstaltungstermin stattfinden.
Momentan können zwischen Qualifikation und Hauptturnier teilweise mehrere Wochen liegen. Die sportliche Form eines Spielers kann sich in diesem Zeitraum deutlich verändern.
Ein kompakteres System könnte Reisen reduzieren und gleichzeitig die Planung vereinfachen.
Mehr große Turniere außerhalb Großbritanniens
Interessant ist, dass Van der Voort trotz seiner Kritik nicht grundsätzlich weniger internationale Veranstaltungen fordert.
Im Gegenteil.
Er begrüßt, dass die PDC neue Länder erschließt und mehr große Turniere auf dem europäischen Festland austrägt.
Für ihn liegt das Problem nicht im Wachstum des Sports, sondern in der Verteilung des Kalenders.
Auch größere Ranglistenturniere könnten künftig häufiger außerhalb Großbritanniens stattfinden. Die Europameisterschaft zeigt bereits, dass solche Veranstaltungen in Deutschland große Hallen füllen können.
Der PDC Kalender braucht eine neue Balance
Der professionelle Darts Sport ist heute größer als noch vor zehn Jahren.
Mehr Preisgeld und mehr Turniere sind für die Spieler grundsätzlich positiv. Gleichzeitig bedeutet Wachstum automatisch mehr Termine, mehr Reisen und weniger freie Zeit.
Die Zahl von rund 280 Tagen außerhalb des eigenen Zuhauses zeigt, wo die Grenze des Systems liegen könnte.
Für Spieler wie Michael van Gerwen wird es deshalb immer wichtiger, bewusst auszuwählen.
Nicht jedes ausgelassene Turnier bedeutet fehlenden Ehrgeiz.
Manchmal ist es schlicht die Konsequenz eines Kalenders, der inzwischen so groß geworden ist, dass kaum noch jemand alles spielen kann.








