Nathan Aspinall warnt junge Spieler vor Dartitis und zu viel Druck

Nathan Aspinall warnt junge Spieler vor Dartitis: „Es gibt nur einen Luke Littler“
Nathan Aspinall hat vor dem wachsenden Erfolgsdruck auf junge Dartspieler gewarnt. Der Engländer kennt die sogenannte Dartitis aus eigener Erfahrung und beobachtet nach eigenen Angaben immer häufiger, dass bereits sehr junge Spieler Probleme mit einer natürlichen Wurfbewegung entwickeln.
Für Aspinall hängt ein Teil dieser Entwicklung mit den außergewöhnlichen Erfolgen von Luke Littler zusammen. Der Weltranglistenerste hat schon als Jugendlicher Titel gewonnen, Rekorde gebrochen und die Erwartungen an junge Talente verändert.
Genau dieser Vergleich kann aus Aspinalls Sicht gefährlich werden.
Seine Botschaft an Nachwuchsspieler ist deshalb eindeutig: Nicht jeder muss mit 16 oder 17 Jahren die Weltspitze erreichen.
„Es gibt nur einen Luke Littler“
Littlers Karriere ist eine Ausnahmeerscheinung.
Schon bei seinem ersten Auftritt bei der PDC-Weltmeisterschaft erreichte er als 16-Jähriger das Finale. Wenige Jahre später war er Weltmeister, Nummer eins der Weltrangliste und Gewinner zahlreicher großer Turniere.
Für viele junge Dartspieler ist er damit automatisch zum Vorbild geworden.
Aspinall sieht darin grundsätzlich nichts Negatives. Problematisch wird es seiner Meinung nach erst, wenn Jugendliche Littlers Entwicklung als normalen Maßstab betrachten.
Der Erfolg des Engländers lässt sich nicht einfach kopieren.
Nur weil Littler bereits als Jugendlicher gegen die besten Spieler der Welt gewann, bedeutet das nicht, dass ein zwölf- oder fünfzehnjähriger Spieler ebenfalls möglichst schnell Ergebnisse auf diesem Niveau liefern muss.
Aspinall fordert deshalb vor allem Geduld.
Junge Spieler sollten zunächst Freude am Darts haben, regelmäßig trainieren und ihre Entwicklung nicht permanent mit der außergewöhnlichen Karriere Littlers vergleichen.
Aspinall wird immer häufiger nach Dartitis gefragt
Das Thema ist für Nathan Aspinall persönlich besonders wichtig.
Der frühere Gewinner der UK Open und des World Matchplay hatte selbst über längere Zeit mit Dartitis zu kämpfen.
Dabei handelt es sich um eine Wurfblockade, bei der ein Spieler plötzlich Schwierigkeiten bekommt, den Dart im gewohnten Bewegungsablauf loszulassen. Die Bewegung, die normalerweise automatisch funktioniert, kann dadurch stocken oder vollständig blockieren.
Aspinall berichtet, dass Eltern ihn bei Schauveranstaltungen inzwischen regelmäßig nach diesem Problem fragen.
Besonders erschrocken habe ihn, dass es teilweise um Kinder im Alter von zwölf Jahren gehe.
Für ihn passt das kaum zu seinen eigenen Erfahrungen.
Als Aspinall Probleme mit Dartitis bekam, standen bei ihm Belastungen aus dem Erwachsenenleben im Hintergrund: Familie, finanzielle Verantwortung und persönlicher Stress.
Wenn bereits Kinder ähnliche Blockaden entwickeln, stellt sich für ihn deshalb die Frage, wie groß der selbst erzeugte Leistungsdruck inzwischen geworden ist.
Dartitis kann eine Karriere massiv beeinflussen
Eine Wurfblockade ist weit mehr als nur eine kurze Phase schlechter Form.
Der Spieler weiß häufig genau, welchen Dart er werfen möchte, kann die normale Bewegung aber nicht mehr selbstverständlich ausführen.
Manche Profis unterbrechen ihren Wurf mehrfach, bevor sie den Dart loslassen können. Andere verändern ihre komplette Technik.
In der Geschichte des Sports hat das Problem bereits mehrere bekannte Spieler begleitet.
Aspinall selbst musste lernen, damit umzugehen. Auch andere bekannte Profis haben öffentlich über ähnliche Schwierigkeiten gesprochen.
Ein einheitliches Heilmittel gibt es nicht.
Aspinall arbeitet unter anderem mit sportpsychologischer Unterstützung und versucht, durch kontrollierte Atmung und mentale Übungen besser mit angespannten Situationen umzugehen.
Der Erfolg von Luke Littler verändert den Nachwuchs
Der sogenannte Luke-Littler-Effekt hat dem Darts gleichzeitig enorm geholfen.
Mehr junge Menschen interessieren sich für den Sport. Dartboards werden gekauft, Nachwuchsturniere erhalten mehr Aufmerksamkeit und Jugendliche sehen plötzlich, dass der Weg auf eine große PDC-Bühne nicht erst mit Ende 20 beginnen muss.
Doch genau dieser positive Effekt besitzt eine Kehrseite.
Ein Jugendlicher kann Littler im Fernsehen sehen und den Eindruck bekommen, dass er selbst mit 16 bereits ähnliche Ergebnisse liefern müsse.
Dabei ist Littlers Entwicklung selbst innerhalb des professionellen Darts außergewöhnlich.
Die meisten heutigen Spitzenspieler benötigten viele Jahre, um sich über Nachwuchstouren, kleinere Turniere und die Profitour nach oben zu arbeiten.
Aspinall selbst ist dafür ein gutes Beispiel.
Freude statt Vergleichsdruck
Deshalb richtet sich Aspinalls Warnung nicht gegen ambitionierte Nachwuchsspieler.
Ganz im Gegenteil.
Er möchte verhindern, dass junge Talente sich selbst den Spaß nehmen, weil sie unrealistische Erwartungen an ihre Entwicklung stellen.
Wer gut genug ist, wird seine Chancen bekommen. Nicht jeder muss dabei denselben Weg gehen oder dieselbe Geschwindigkeit erreichen wie Luke Littler.
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Aussage seiner Warnung.
Littler kann ein Vorbild sein.
Er sollte aber nicht zum Maßstab werden, an dem jedes zwölfjährige Talent seine eigene Karriere bewertet.
Für Aspinall Darts ist diese Frage längst mehr als eine theoretische Diskussion. Er weiß selbst, wie schwierig es sein kann, wenn Druck eine eigentlich natürliche Wurfbewegung beeinflusst.
Gerade deshalb fordert er von jungen Spielern etwas, das im modernen Leistungssport leicht verloren geht:
erst einmal Darts spielen, besser werden und vor allem Freude daran haben.








