Gian van Veen unter Druck als neue Nummer eins der Niederlande

Gian van Veen unter Druck: Was sich als neue Nummer eins der Niederlande verändert
Gian van Veen hat sich innerhalb kurzer Zeit vom großen niederländischen Talent zu einem der besten Dartspieler der Welt entwickelt. In der PDC Order of Merit steht der 24-Jährige inzwischen auf Rang drei und damit deutlich vor Michael van Gerwen, der aktuell nur noch Neunter ist.
Mit diesem Aufstieg verändert sich allerdings auch Van Veens Rolle. Er ist nicht mehr der junge Herausforderer, bei dem ein Viertelfinale automatisch als Erfolg gilt. Bei großen Turnieren wird inzwischen erwartet, dass er um den Titel spielt.
Genau dieser neue Druck war nach dem World Grand Prix wieder zu spüren.
Klare Niederlage gegen James Wade
Beim World Grand Prix erreichte Gian van Veen das Viertelfinale. Dort erwischte er gegen James Wade allerdings einen äußerst schwierigen Abend.
Wade gewann mit 3:0 nach Sätzen und gab während des gesamten Matches nur ein einziges Leg ab. Insgesamt lautete die Legbilanz 9:1.
Nach einer solchen Niederlage verzichtete Van Veen anschließend auf ein Interview.
Die Entscheidung sorgte für Diskussionen, bekam aber auch Unterstützung. Ein Spieler, der gerade innerhalb kurzer Zeit so deutlich verloren hat, hat unmittelbar nach dem Match häufig wenig Neues zu erklären. Gerade bei Van Veen zeigt die Reaktion gleichzeitig, wie sehr sich die Erwartungen inzwischen verändert haben.
Ein World-Grand-Prix-Viertelfinale allein reicht nicht mehr, damit sein Turnier automatisch als erfolgreich wahrgenommen wird.
Van Veen ist inzwischen die niederländische Nummer eins
Die Zahlen machen seine neue Position deutlich.
Van Veen steht auf Platz drei der PDC Order of Merit. Vor ihm liegen nur Luke Littler und Luke Humphries.
Michael van Gerwen, der über viele Jahre das niederländische Darts praktisch allein repräsentierte, steht inzwischen deutlich dahinter. Danny Noppert gehört ebenfalls weiterhin zur erweiterten Weltspitze, doch aktuell ist Van Veen der höchstplatzierte Niederländer.
Auch bei den großen Turnieren bestätigt sich dieses Bild zunehmend. Van Veen erreichte 2026 bereits mehrere entscheidende Phasen bei Major Events und gehört inzwischen regelmäßig zum Kreis der Spieler, denen vor einem Turnier der Titel zugetraut wird.
Für Van Veen Darts ist das ein enormer Entwicklungsschritt.
Er bringt allerdings eine neue Erwartungshaltung mit sich.
Das Ende der Van-Gerwen-Selbstverständlichkeit
Über viele Jahre war die Rollenverteilung im niederländischen Darts einfach.
Wenn ein großes PDC Turnier begann, war Michael van Gerwen automatisch einer der wichtigsten Titelkandidaten. Andere niederländische Spieler konnten gute Ergebnisse erzielen, doch der größte Druck lag fast immer bei MVG.
Diese Selbstverständlichkeit existiert nicht mehr.
Van Gerwen kann selbstverständlich weiterhin große Turniere gewinnen, doch seine Dominanz ist verschwunden. Damit verteilt sich die Aufmerksamkeit neu.
Van Veen übernimmt einen Teil dieser Rolle.
Wenn er früh ausscheidet, wird inzwischen stärker darüber diskutiert. Wenn er ein Viertelfinale erreicht, lautet die Frage nicht mehr nur, wie weit er gekommen ist, sondern weshalb es nicht noch weiterging.
Das ist ein deutlicher Unterschied zu seiner Situation vor ein oder zwei Jahren.
Ein außergewöhnlicher Aufstieg mit Hindernissen
Dabei sollte nicht vergessen werden, wie schnell dieser Aufstieg verlaufen ist.
Van Veen musste in seiner jungen Karriere bereits schwierige Phasen überstehen. Dazu gehörten Probleme mit Dartitis, die für einen professionellen Spieler besonders belastend sein können.
Auch 2026 verlief nicht komplett problemlos. Eine Operation wegen Nierensteinen im Frühjahr störte unter anderem seine Premier League Saison.
Trotzdem arbeitete er sich bis auf Rang drei der Welt vor.
Gerade diese Entwicklung zeigt, weshalb eine einzelne deutliche Niederlage gegen einen erfahrenen Spieler wie James Wade nicht überbewertet werden sollte.
Rang drei verändert die Maßstäbe
Das eigentliche Problem für Van Veen ist deshalb wahrscheinlich nicht seine Form.
Es sind die neuen Maßstäbe.
Als Nummer drei der Welt kann er kaum noch unbemerkt ein Turnier spielen. Er wird mit Littler, Humphries, Price und den anderen großen Namen verglichen. In den Niederlanden kommt zusätzlich der Vergleich mit Van Gerwen hinzu.
Damit wird auch die mentale Seite wichtiger.
Der nächste Schritt für Gian van Veen besteht nicht nur darin, weitere Halbfinals und Finals zu erreichen. Er muss lernen, mit einer Situation umzugehen, in der ein gutes Ergebnis manchmal trotzdem als Enttäuschung bewertet wird.
Das ist der Preis für seinen schnellen Aufstieg.
Van Veen ist nicht mehr nur eines der größten Talente im PDC Darts.
Er ist inzwischen die niederländische Nummer eins und einer der besten drei Spieler der Welt. Genau deshalb wird künftig jede Niederlage anders beurteilt als noch vor wenigen Jahren.








