Zu viel Freundschaft im Darts? Van der Voort kritisiert Hug-Kultur

Zu viel Freundschaft im Darts? Van der Voort kritisiert die neue „Hug-Kultur“
Im modernen PDC Darts wird längst nicht nur über Averages, Titel und Weltranglisten gesprochen. Auch die Atmosphäre zwischen den Spielern verändert sich. Genau darüber hat sich Vincent van der Voort nun kritisch geäußert.
Der Niederländer stört sich daran, dass viele Profis während eines Matches immer wieder freundschaftliche Gesten austauschen. Umarmungen, Schulterklopfer und Lächeln seien inzwischen selbst in entscheidenden Phasen großer Turniere keine Seltenheit mehr.
Für Van der Voort geht dabei ein Teil jener Spannung verloren, die große Darts-Duelle früher ausgezeichnet hat.
Van der Voort vermisst echte Rivalität
Der ehemalige PDC-Profi gehört zu einer Generation, in der große Matches häufig deutlich konfrontativer wirkten.
Es ging nicht zwingend darum, dass sich zwei Spieler persönlich nicht mochten. Entscheidend war vielmehr die klare Trennung zwischen Freundschaft abseits der Bühne und Konkurrenz während des Matches.
Genau diese Grenze sieht Van der Voort heute teilweise verschwimmen.
Wenn ein entscheidendes Leg gespielt wird und die beiden Spieler sich kurz zuvor noch umarmen oder freundlich miteinander scherzen, fehlt ihm ein Teil des Wettkampfgefühls.
Seine Botschaft ist dabei nicht, dass Darts wieder aggressiver oder respektloser werden müsse. Vielmehr wünscht er sich auf der Bühne mehr Fokus auf den sportlichen Kampf.
Price gegen Humphries als Beispiel
Als Beispiel wird das jüngste World-Grand-Prix-Finale zwischen Gerwyn Price und Luke Humphries genannt.
Das Match bot sportlich einiges: Price führte 3:0 nach Sätzen, Humphries kämpfte sich zurück und gewann schließlich mit 6:4.
Trotz der Bedeutung des Finales gab es während der Partie immer wieder freundliche Momente zwischen den beiden.
Gerade das störte Van der Voort.
Für ihn wirkt es ungewöhnlich, wenn ein Spieler mitten in einem noch völlig offenen Major-Finale Nähe zum Gegner zeigt. Die Entscheidung sei schließlich noch lange nicht gefallen.
Aus seiner Sicht sollte die Umarmung lieber nach dem letzten Dart kommen.
Darts hat sich verändert
Die Diskussion zeigt gleichzeitig, wie stark sich Darts heute verändert hat.
Viele aktuelle Topspieler kennen sich seit Jahren. Sie reisen gemeinsam zu Turnieren, verbringen viel Zeit hinter der Bühne und pflegen teilweise enge Freundschaften.
Dazu kommt eine jüngere Generation, bei der öffentliche Rivalitäten deutlich seltener geworden sind.
Luke Humphries, Luke Littler, Gian van Veen oder Josh Rock stehen häufig in einem freundlichen Verhältnis zu vielen direkten Konkurrenten. Auch auf Social Media zeigen sich Spieler regelmäßig gemeinsam.
Das ist grundsätzlich positiv. Der professionelle Darts-Sport ist heute internationaler und stärker vernetzt als früher.
Auf der Bühne kann diese Nähe allerdings ein anderes Bild erzeugen als zu Zeiten großer Rivalitäten.
Taylor, Van Gerwen und Price sorgten für andere Spannung
Gerade frühere Duelle zwischen Phil Taylor und Michael van Gerwen lebten davon, dass beide unbedingt beweisen wollten, wer der bessere Spieler ist.
Auch Gerwyn Price brachte später eine deutlich emotionale Komponente auf die Bühne. Seine Reaktionen, sein Jubel und seine Körpersprache sorgten regelmäßig für hitzige Matches.
Solche Rivalitäten müssen nicht automatisch persönliche Feindschaften bedeuten.
Sie schaffen aber eine Geschichte rund um das Spiel.
Ein Best-of-11-Legs-Match wird interessanter, wenn der Zuschauer das Gefühl bekommt, dass beide Spieler nicht nur gewinnen wollen, sondern dem Gegner unbedingt zeigen möchten, wer die Kontrolle hat.
Freundschaft oder Rivalität: Was ist besser für den Darts-Sport?
Ganz eindeutig lässt sich die Frage nicht beantworten.
Mehr Respekt zwischen den Spielern ist grundsätzlich etwas Positives. Niemand braucht absichtliche Provokationen oder persönliche Konflikte, um ein gutes Darts-Match zu sehen.
Gleichzeitig lebt Spitzensport von Emotionen.
Wenn zwei der besten Spieler der Welt in einem Major-Finale stehen, erwarten viele Zuschauer mehr als nur hohe Averages. Sie wollen Druck, Körpersprache und echte Spannung sehen.
Genau hier setzt Van der Voorts Kritik an.
Er fordert keine Rückkehr zu persönlichen Fehden. Er stellt vielmehr die Frage, ob Freundschaft während eines laufenden Matches manchmal zu sichtbar geworden ist.
Gerade bei großen Finals könnte etwas mehr Distanz tatsächlich helfen, die Bedeutung des Moments stärker zu vermitteln.
Die Diskussion dürfte deshalb weitergehen.
Denn im modernen PDC Darts geht es längst nicht mehr nur darum, wer die meisten Triple 20 trifft. Auch die Persönlichkeit auf der Bühne gehört zum Produkt.
Und manchmal kann ein bisschen echte Rivalität genauso viel Spannung erzeugen wie ein 170er-Finish.








