Luke Littler: Warum er deutsche Darts-Turniere meidet

Luke Littler vor Darts EM 2026: Warum der Weltmeister deutsche Turniere meidet
Luke Littler gehört zu den erfolgreichsten Dartspielern der Welt, doch bei Turnieren in Deutschland ist der 19-jährige Engländer nur selten zu sehen. Während „The Nuke“ in seiner Heimat wie ein Superstar gefeiert wird, erlebt er auf deutschen Bühnen immer wieder Pfiffe und Buhrufe. Die angespannte Beziehung zu Teilen des Publikums hat dazu geführt, dass der zweimalige Weltmeister zahlreiche European Tour Veranstaltungen in Deutschland auslässt. Bei der Darts EM 2026 in Dortmund könnte sich das Verhältnis nun erneut auf die Probe stellen.
Vom 22. bis 25. Oktober kämpft Littler in den Westfalenhallen um einen der wenigen großen PDC-Titel, die ihm noch fehlen.
Warum Luke Littler nicht gerne in Deutschland spielt
Die schwierige Beziehung zwischen Littler und dem deutschen Darts-Publikum besteht bereits seit längerer Zeit.
Ein wichtiger Wendepunkt war die European Tour Veranstaltung in München im April 2025. Nach seinem Ausscheiden im Halbfinale sorgte der Engländer mit einer ungewöhnlichen Nachricht für Diskussionen. Er deutete an, dass er eigentlich nicht in München hätte antreten wollen.
In den folgenden Monaten verzichtete Littler zunehmend auf European Tour Turniere in Deutschland.
Auch 2026 ließ er zahlreiche Veranstaltungen aus. Unter anderem fanden Turniere in Göttingen, Leverkusen, München, Sindelfingen, Riesa und Kiel ohne den Weltranglistenersten statt.
Der Hauptgrund ist seine Unzufriedenheit mit der Atmosphäre bei bestimmten Veranstaltungen. Littler wurde wiederholt ausgepfiffen und ausgebuht.
Dabei scheint ihn besonders zu stören, dass sich die Reaktionen nicht nur gegen seine sportlichen Leistungen richten, sondern er sich teilweise grundsätzlich unerwünscht fühlt.
Buhrufe in Amsterdam verschärfen den Konflikt
Dass das Problem nicht ausschließlich Deutschland betrifft, zeigte sich im September bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam.
Dort wurde Littler während seiner Begegnungen gegen Danny Noppert und Nathan Aspinall wiederholt ausgepfiffen.
Besonders im Match gegen Aspinall eskalierte die Situation. Der Schiedsrichter musste die Partie zwischenzeitlich unterbrechen und die Zuschauer wegen ihres Verhaltens ermahnen.
Littler reagierte anschließend deutlich.
Er erklärte, dass er künftig auch auf European Tour Turniere in den Niederlanden verzichten könnte, sollte sich die Atmosphäre nicht verbessern.
Der Weltmeister betonte, dass er in erster Linie Darts spielen und anschließend Autogramme geben wolle. Ständige Buhrufe würden ihm dagegen die Freude an solchen Veranstaltungen nehmen.
Seine Ankündigung hatte bereits konkrete Auswirkungen. Bei der Dutch Darts Championship 2026 in Maastricht war Littler nicht am Start.
PDC Europe zeigt Verständnis für den jungen Weltmeister
Die Veranstalter betrachten Littlers Situation differenziert.
Werner von Moltke, Geschäftsführer von PDC Europe, äußerte Verständnis für den Umgang des jungen Engländers mit der außergewöhnlichen Aufmerksamkeit.
Littler ist mit gerade einmal 19 Jahren bereits zweimaliger Weltmeister und einer der bekanntesten Sportler Großbritanniens.
Dieser enorme Erfolg bringt allerdings auch große Erwartungen und erheblichen öffentlichen Druck mit sich.
Während er in England eine Popularität erreicht hat, die für einen Dartspieler außergewöhnlich ist, begegnen ihm Zuschauer in anderen Ländern teilweise kritischer.
Das bedeutet allerdings nicht, dass alle deutschen Darts-Fans Littler ablehnen. Auch in Deutschland hat er zahlreiche Anhänger. Bei Turnieren unterstützen viele Zuschauer zudem bevorzugt Außenseiter gegen dominierende Favoriten.
Die regelmäßigen Pfiffe einzelner Zuschauergruppen bleiben dennoch ein Problem für den Sport.
Trotz weniger Starts erfolgreich auf der European Tour
Sportlich hat Littler durch seine begrenzten Auftritte in Deutschland bislang kaum an Bedeutung verloren.
Der Engländer gewann in der European Tour Saison 2026 unter anderem Turniere im polnischen Krakau und in Prag.
Diese Erfolge reichten aus, um sich für die European Championship in Dortmund zu qualifizieren.
Dort geht Littler als Nummer elf der European Tour Order of Merit ins Rennen.
Seine Situation zeigt, dass Spitzenspieler nicht zwangsläufig an jeder Veranstaltung teilnehmen müssen, um sich für große Ranking-Turniere zu qualifizieren.
Gleichzeitig verzichtet Littler durch seine Entscheidung auf zusätzliche Preisgeldchancen und mögliche European Tour Titel.
Darts EM 2026: Luke Littler trifft auf William O’Connor
Trotz seiner Zurückhaltung bei deutschen European Tour Veranstaltungen wird Littler bei der Europameisterschaft in Dortmund antreten.
Sein Gegner in der ersten Runde ist William O’Connor.
Der Ire sorgte zuletzt bei der Dutch Darts Championship in Maastricht für Aufsehen, als er Michael van Gerwen mit 6:5 besiegte.
Littler muss deshalb bereits zum Auftakt mit einer anspruchsvollen Begegnung rechnen.
Die European Championship besitzt für den jungen Engländer besondere Bedeutung. Obwohl er bereits zahlreiche große PDC-Titel gewonnen hat, fehlt ihm der Europameistertitel noch in seiner Sammlung.
2025 schied er im Achtelfinale gegen James Wade aus. Bemerkenswert war damals seine Reaktion auf das Publikum: Littler bedankte sich nach seinem Ausscheiden ausdrücklich bei den deutschen Zuschauern für deren Unterstützung.
Damit zeigte sich, dass die Beziehung keineswegs ausschließlich von Konflikten geprägt ist.
Wird Dortmund zum Wendepunkt für Luke Littler?
Die Darts EM bietet nun eine neue Gelegenheit, das angespannte Verhältnis zwischen Littler und Teilen des deutschen Publikums zu verbessern.
Bereits nach den Zwischenfällen in Amsterdam hatte der Engländer angekündigt, bei seinem nächsten Auftritt in Dortmund genau auf die Reaktionen der Zuschauer achten zu wollen.
Sportlich zählt Littler unabhängig von seiner Setzposition zu den großen Favoriten.
Für den 19-Jährigen geht es allerdings nicht nur um den Europameistertitel. Die Veranstaltung könnte auch Einfluss darauf haben, ob er künftig wieder häufiger bei European Tour Turnieren in Deutschland antritt.
Luke Littler ist einer der größten Stars des modernen Darts-Sports. Ob er sich auch auf deutschen Bühnen wieder dauerhaft wohlfühlt, könnte sich bei der Darts EM 2026 in Dortmund zeigen.



