Fallon Sherrock: Der Sieg, der den Frauen-Darts veränderte

Fallon Sherrock über ihren historischen Ally-Pally-Moment: „Ich hatte keine Ahnung, was das auslösen würde“
Fallon Sherrock hat noch einmal auf jenen Abend zurückgeblickt, der nicht nur ihre eigene Karriere, sondern auch die Wahrnehmung des Frauen-Darts nachhaltig veränderte. Am 17. Dezember 2019 besiegte die Engländerin Ted Evetts bei der PDC-Weltmeisterschaft und wurde damit zur ersten Frau, die ein Match bei der PDC Darts WM gewinnen konnte.
Sherrock wusste damals selbst nicht, welche Dimension dieser Sieg annehmen würde. Für sie ging es zunächst nur darum, endlich auf der größten Bühne des Sports zu spielen. Wenige Minuten später war sie weltweit in den Schlagzeilen.
Vom Friseurberuf auf die größte Darts-Bühne
Bevor Fallon Sherrock international bekannt wurde, hatte sie keineswegs einen klassischen Weg in den Profisport geplant.
Sie absolvierte eine Ausbildung zur Friseurin und ging lange davon aus, dass Darts eher ein wichtiger Teil ihres Lebens bleiben würde, aber nicht zwangsläufig zum Beruf werden könnte.
Parallel spielte sie bereits auf dem BDO- und WDF-Circuit und gehörte dort zu den bekannten Namen. Der entscheidende Impuls kam, als die PDC erstmals Frauen über einen Qualifier den Weg zur Weltmeisterschaft öffnete.
Sherrock sah Spielerinnen wie Lisa Ashton und Anastasia Dobromyslova auf der großen Bühne und begann selbst deutlich intensiver zu trainieren.
Ihr Ziel war damals nicht, Geschichte zu schreiben.
Sie wollte einfach nur erleben, wie es sich anfühlt, im Alexandra Palace zu spielen.
Der Sieg gegen Ted Evetts verändert alles
Dann kam das Match gegen Ted Evetts.
Sherrock gewann und schrieb damit Darts Geschichte.
Was danach passierte, überraschte selbst sie. Die mediale Aufmerksamkeit explodierte praktisch innerhalb weniger Minuten. Interviews, internationale Schlagzeilen und Reaktionen weit über die klassische Darts-Szene hinaus folgten.
Sherrock hatte vor dem Turnier zwar gehofft, konkurrenzfähig zu sein, aber nicht damit gerechnet, dass ein einzelner Sieg eine derart große Wirkung haben könnte.
Und sie hörte nicht nach diesem ersten Erfolg auf.
In der nächsten Runde besiegte sie Mensur Suljovic und erreichte die dritte Runde der Weltmeisterschaft. Erst dort stoppte Chris Dobey ihren Lauf.
Damit war endgültig klar, dass es sich nicht nur um einen einmaligen Überraschungssieg gehandelt hatte.
Fallon Sherrock verändert die Wahrnehmung des Frauen-Darts
Der Effekt auf Frauen Darts war enorm.
Vor Sherrocks Durchbruch gab es bereits starke Spielerinnen, die sportlich viel erreicht hatten. Namen wie Trina Gulliver, Lisa Ashton oder Anastasia Dobromyslova hatten den Frauen-Darts über Jahre geprägt.
Sherrocks Ally-Pally-Lauf brachte das Thema jedoch einem deutlich größeren Publikum näher.
Plötzlich wurde weltweit darüber gesprochen, dass Frauen auf einer großen PDC-Bühne gegen Männer gewinnen können. Für Sherrock selbst war das teilweise schwer zu verarbeiten, weil sie nie bewusst die Rolle einer Symbolfigur gesucht hatte.
Genau das machte ihre Geschichte so stark.
Sie ging nicht mit dem Ziel auf die Bühne, eine gesellschaftliche Debatte auszulösen. Sie wollte ein Darts-Match gewinnen.
Der Rest folgte von allein.
Mehr Aufmerksamkeit bedeutet auch mehr Druck
Der historische Erfolg hatte allerdings auch eine Kehrseite.
Seit 2019 wird praktisch jeder große Auftritt von Fallon Sherrock Darts mit ihrer damaligen WM-Serie verglichen. Ein normales Turnier ist für sie kaum noch einfach nur ein normales Turnier.
Die Erwartungen stiegen, ebenso die mediale Aufmerksamkeit.
Sherrock hat später selbst erklärt, dass diese Rolle nicht immer einfach war. Sie sei nie jemand gewesen, der unbedingt „das Gesicht des Frauen-Darts“ sein wollte.
Mit der Entwicklung von Beau Greaves und weiteren starken Spielerinnen verteilt sich diese Aufmerksamkeit inzwischen stärker.
Für Sherrock kann das sogar hilfreich sein.
Sie muss nicht mehr allein für die gesamte Entwicklung des Frauen-Darts stehen und kann sich wieder stärker auf ihr eigenes Spiel konzentrieren.
Ihr Ally-Pally-Sieg bleibt ein Wendepunkt
Fast sieben Jahre später besitzt der Erfolg gegen Evetts noch immer eine besondere Bedeutung.
Nicht, weil Frauen-Darts erst 2019 begonnen hätte oder vorher keine außergewöhnlichen Spielerinnen existierten.
Sondern weil Sherrock einen Moment geschaffen hat, den auch Menschen außerhalb der klassischen Darts-Szene verstanden haben.
Eine Frau betritt die größte Bühne des Sports, schlägt einen männlichen Profi und gewinnt danach sogar noch einmal.
Für viele junge Spielerinnen wurde dadurch sichtbar, dass dieser Weg tatsächlich möglich ist.
Sherrock selbst hatte damals keine Vorstellung davon, was ihr Sieg auslösen würde.
Heute gehört genau dieser Abend zu den bekanntesten Momenten der modernen PDC Darts Geschichte.








