Niko Springer und Schindler: Deutschlands Problem bei großen Turnieren

Deutsche Darts Profis 2026: Warum Schindler und Springer bei großen Turnieren noch nicht durchbrechen
Die deutschen Spieler feiern 2026 regelmäßig gute Ergebnisse auf der ProTour und der European Tour. Auf den großen Ranglistenturnieren sieht die Bilanz dagegen deutlich schwächer aus. Nach vier ausgetragenen Einzelturnieren mit Ranglistenwert gelang deutschen Spielern bislang nur bei den UK Open überhaupt ein Matchgewinn.
Besonders auffällig ist der Unterschied bei Niko Springer und Martin Schindler. Beide haben gezeigt, dass sie gegen die Weltspitze bestehen können. Auf den größten Einzelbühnen fehlt 2026 aber noch der entscheidende Lauf.
Niko Springer spielt eine starke Saison, wartet aber auf den großen Durchbruch
Gemessen an den Ergebnissen des laufenden Jahres gehört Niko Springer zu den erfolgreichsten deutschen Spielern.
Der Mainzer steht erst in seinem zweiten Jahr mit Tourkarte und muss kaum älteres Preisgeld verteidigen. Auf der ProTour erreichte er bereits mehrere tiefe Turnierphasen. Auch auf der European Tour hat er regelmäßig wichtige Spiele gewonnen.
Bei den großen Ranglistenturnieren ist die Bilanz bisher jedoch ernüchternd.
Für das World Masters schaffte Springer die Qualifikation nicht. Bei den UK Open verlor er sein Auftaktspiel gegen Kai Gotthardt mit 4:6.
Beim World Matchplay folgte sein bislang stärkster Auftritt auf einer großen Einzelbühne. Gegen Luke Littler hielt Springer lange hervorragend mit. Er führte zwischenzeitlich 5:4 und glich später noch einmal zum 5:5 aus. Erst danach übernahm Littler die Kontrolle und gewann die letzten vier Legs.
Das Ergebnis war deutlich, der Spielverlauf aber keineswegs.
Beim World Grand Prix endet die deutsche Hoffnung früh
Auch die Qualifikation für den World Grand Prix war für Springer bereits ein Erfolg. Er war der einzige deutsche Spieler im Teilnehmerfeld.
Gegen Danny Noppert erwischte der Deutsche allerdings einen schwierigen Start. Besonders das spezielle Format, bei dem jedes Leg auf einem Doppel begonnen werden muss, bereitete ihm Probleme.
Springer kämpfte sich zwar noch einmal zurück und gewann einen Satz, verlor am Ende aber mit 1:2.
Damit blieb Deutschland auch beim World Grand Prix ohne Sieg.
Für Springer war es bereits die dritte Auftaktniederlage bei einem großen Ranglistenturnier in diesem Jahr. Das wirkt auf den ersten Blick deutlich negativer als seine Leistungen auf der ProTour.
Martin Schindler gewinnt nur bei den UK Open
Auch für Martin Schindler verliefen die großen Einzelturniere bislang enttäuschend.
Beim World Masters verlor er deutlich mit 0:3 gegen Luke Woodhouse. Schindler gewann lediglich ein Leg, während Woodhouse einen Average von fast 109 Punkten spielte.
Bei den UK Open gelang dann der bisher einzige deutsche Lichtblick auf dieser Ebene.
Schindler setzte sich in einem engen Match mit 10:8 gegen Joe Cullen durch und erreichte die nächste Runde. Dort traf er auf Gary Anderson und verlor trotz ordentlicher Gegenwehr mit 7:10.
Beim World Matchplay war sogar noch mehr möglich.
Schindler vergibt große Chance gegen Gerwyn Price
Gegen Gerwyn Price erwischte Schindler in Blackpool einen hervorragenden Start.
Der Deutsche führte schnell mit 4:0 und hatte sogar Möglichkeiten, den Vorsprung weiter auszubauen. Auch bei 6:2 bot sich ihm die Chance, Price noch stärker unter Druck zu setzen.
Die wichtigen Doppel fielen jedoch nicht.
Price arbeitete sich Schritt für Schritt zurück ins Match. Beim Stand von 8:8 wurde die Partie vollständig offen. Schindler antwortete zwar noch mit einem starken 121er Finish zum 9:9, im entscheidenden Leg setzte sich anschließend aber Price durch.
Es war eine Niederlage, die besonders schmerzte, weil Schindler lange der bessere Spieler gewesen war.
Für den World Grand Prix reichte es später nicht zur Qualifikation.
Der World Cup zeigt, dass das Niveau vorhanden ist
Dass deutsche Spieler auf großen Bühnen grundsätzlich konkurrenzfähig sind, zeigte der World Cup of Darts.
Schindler und Ricardo Pietreczko spielten dort ein starkes Turnier und erreichten gemeinsam das Viertelfinale.
Deutschland begann die Gruppenphase mit einem Average von 101,9 Punkten gegen die Philippinen. Es war der höchste Mannschaftsaverage, den ein deutsches Team bis dahin beim World Cup gespielt hatte.
Auch gegen Neuseeland und Tschechien folgten Siege.
Erst im Viertelfinale gegen die Niederlande mit Michael van Gerwen und Gian van Veen war Schluss.
Der World Cup zählt allerdings nicht für die PDC Weltrangliste. Gerade deshalb bleibt der große Einzelturnierdurchbruch 2026 weiterhin aus.
Auch andere Deutsche konnten nur bei den UK Open glänzen
Die einzige wirkliche Ausnahme war bislang das offene Turnier in Minehead.
Kai Gotthardt sorgte dort für eine Überraschung und erreichte nach mehreren Siegen die Runde der letzten 32. Unter anderem schlug er Niko Springer.
Auch Dominik Grüllich gewann mehrere Spiele und kam bis in die fünfte Runde.
Gabriel Clemens erreichte ebenfalls die letzten 32, bevor James Wade ihn stoppte.
Bei den anderen großen Einzelturnieren waren deutsche Spieler dagegen entweder nicht qualifiziert oder schieden direkt aus.
European Championship bietet die nächste große Chance
Noch ist die Saison nicht vorbei.
Für die European Championship in Dortmund befinden sich Martin Schindler und Niko Springer aktuell auf Qualifikationskurs. Die endgültige Entscheidung fällt allerdings erst nach den letzten beiden Turnieren der European Tour.
Auch die Players Championship Finals könnten Deutschland weitere Chancen bieten. Schindler, Springer, Gabriel Clemens und Max Hopp befinden sich derzeit in einer guten Ausgangslage für Minehead.
Clemens hat sich zudem bereits für den Grand Slam of Darts qualifiziert.
Damit gibt es noch mehrere Möglichkeiten, die bisher enttäuschende Bilanz auf den großen Einzelbühnen zu verbessern.
Das Problem ist nicht das grundsätzliche Niveau
Gerade bei Springer und Schindler wäre es zu einfach, von einem grundsätzlichen Leistungsproblem zu sprechen.
Niko Springer spielt auf der ProTour eine starke Saison und hat gegen Littler beim World Matchplay gezeigt, dass er auch auf einer großen Bühne mithalten kann.
Schindler hatte Gerwyn Price beim World Matchplay lange am Rand einer Niederlage und zeigte gemeinsam mit Pietreczko beim World Cup ebenfalls sein Niveau.
Das entscheidende Problem liegt bisher in den wichtigen Momenten.
Auf der ProTour reicht eine Niederlage oft dazu, wenige Tage später direkt die nächste Chance zu bekommen. Bei einem großen Ranglistenturnier bedeutet ein verpasstes Doppel dagegen häufig sofort das Aus.
Genau diesen letzten Schritt müssen die deutschen Spieler 2026 noch schaffen.








