Gerwyn Price: Rücktrittsgerede trotz drei Major-Finals?

Gerwyn Price vor dem nächsten Anlauf: Warum das Rücktrittsgerede wenig Sinn ergibt
Bei Gerwyn Price liegen Frust und Weltklasse derzeit ungewöhnlich nah beieinander. Der Waliser erreicht 2026 regelmäßig die entscheidenden Phasen großer PDC-Turniere, wartet aber weiterhin auf seinen nächsten Major-Titel.
Nach der jüngsten Finalniederlage beim World Grand Prix sorgten seine Aussagen deshalb erneut für Diskussionen. Price sprach locker über ein mögliches Leben nach dem Darts und darüber, dass ein weiterer Major-Titel für ihn längst nicht mehr alles bedeute.
Für Wayne Mardle ist daraus allerdings kein ernsthaftes Rücktrittssignal abzuleiten. Im Gegenteil: Der frühere Profi sieht in Price weiterhin einen Spieler, der unbedingt gewinnen will und jederzeit wieder einen großen Titel holen kann.
Drei große Finals, drei bittere Niederlagen
Die Saison von Price lässt sich nur schwer als schwach bezeichnen.
Beim World Matchplay erreichte er das Finale, musste sich dort aber Luke Littler geschlagen geben. Wenige Wochen später stand er bei den World Series of Darts Finals erneut im Endspiel. Diesmal stoppte ihn Ross Smith.
Beim World Grand Prix folgte schließlich die dritte große Finalchance.
Price startete gegen Luke Humphries nahezu perfekt und führte bereits mit 3:0 nach Sätzen. Im ersten Satz spielte er zeitweise auf einem außergewöhnlichen Niveau. Trotzdem drehte Humphries die Partie und gewann am Ende 6:4.
Damit hat Price innerhalb relativ kurzer Zeit gleich mehrere Chancen auf einen großen TV-Titel vergeben.
Genau deshalb wird inzwischen häufiger die Frage gestellt, ob dem früheren Weltmeister in den entscheidenden Momenten etwas von seinem früheren „Killerinstinkt“ fehlt.
Der letzte Major-Titel liegt vier Jahre zurück
Der letzte große individuelle TV-Titel von Gerwyn Price stammt aus dem Jahr 2022, als er die World Series of Darts Finals gewann.
Vier Jahre ohne Major sind für einen Spieler seiner Klasse eine lange Zeit.
Price war Weltmeister, Nummer eins der Welt und mehrfacher Grand-Slam-Champion. In seiner stärksten Phase gehörte er zu den Spielern, die große Finals besonders konsequent für sich entschieden.
Heute erreicht er diese Matches weiterhin.
Das Problem liegt also nicht darin, überhaupt noch mit Littler, Humphries oder den anderen Topspielern mithalten zu können. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, dass Price weiterhin zur absoluten Weltspitze gehört.
Ihm fehlt momentan nur der letzte Schritt.
Rücktritt? Wayne Mardle sieht etwas völlig anderes
Nach dem World Grand Prix wirkte Price enttäuscht, versuchte die Niederlage aber gleichzeitig in Perspektive zu setzen.
Er machte deutlich, dass sein Leben nicht mehr ausschließlich vom Darts abhängt. Familie, finanzielle Sicherheit und seine Interessen außerhalb des Sports haben für ihn inzwischen einen größeren Stellenwert.
Auch über eine Zukunft als Farmer scherzte der Waliser.
Solche Aussagen führen schnell zu Spekulationen über einen möglichen Rücktritt. Wayne Mardle interpretiert sie jedoch anders.
Für ihn spricht gerade die sichtbare Enttäuschung dafür, dass Price noch immer extrem ehrgeizig ist. Einem Spieler, dem das Ergebnis wirklich egal wäre, würde eine verlorene Finalchance kaum so viel bedeuten.
Price spricht während Turnierwochen weiterhin darüber, was er verändern muss, um wieder zu gewinnen. Das passt nicht zu einem Spieler, der innerlich bereits abgeschlossen hat.
Price ist weiterhin die Nummer vier der Welt
Auch die PDC Order of Merit liefert wenig Argumente für die These eines sportlichen Abschieds.
Price steht weiterhin auf Rang vier der Welt.
Vor ihm liegen lediglich Luke Littler, Luke Humphries und Gian van Veen. Hinter ihm folgen Spieler wie James Wade, Jonny Clayton, Danny Noppert und Michael van Gerwen.
Ein 41-jähriger Spieler, der drei große Finals innerhalb einer Saison erreicht und gleichzeitig Nummer vier der Welt ist, befindet sich sportlich nicht in einer klassischen Rücktrittsphase.
Hinzu kommt, dass Price auch außerhalb der Majors weiter Turniere gewinnt und konstant tiefe Runs produziert.
Vielleicht fehlt nur ein einziger Sieg
Genau deshalb könnte die aktuelle Diskussion schnell wieder verschwinden.
Gewinnt Price eines der kommenden großen Turniere, verändert sich die Erzählung sofort.
Aus „vier Jahre ohne Major“ würde plötzlich die Geschichte eines ehemaligen Weltmeisters, der sich noch einmal zurück an die Spitze gespielt hat.
Seine aktuelle Form zeigt zumindest, dass diese Möglichkeit realistisch ist.
Die größere Herausforderung dürfte inzwischen psychologischer Natur sein. Drei verlorene große Finals in einer Saison hinterlassen Spuren. Besonders bitter war Leicester, weil Price nach einer 3:0-Führung bereits sehr nah am Titel war.
Doch er muss nicht erst beweisen, dass er noch konkurrenzfähig ist.
Das hat er 2026 längst getan.
Gerwyn Price ist noch lange nicht fertig
Die aktuelle Darts-Nachrichten rund um Price wirkt deshalb dramatischer, als seine sportliche Situation tatsächlich ist.
Natürlich denkt ein 41-jähriger Profi anders über seine Karriere als zehn Jahre zuvor. Und natürlich haben Familie und Leben außerhalb des Darts inzwischen mehr Gewicht.
Das bedeutet aber nicht, dass der Ehrgeiz verschwunden ist.
Gerwyn Price erreicht weiterhin Major-Finals, steht auf Platz vier der Weltrangliste und kann die besten Spieler der Welt schlagen.
Momentan fehlt ihm kein Niveau für einen weiteren großen Titel.
Es fehlt ihm nur noch der Sieg im richtigen Finale.








