Wayne Mardle warnt vor Ranking-Druck im PDC-Darts

Wayne Mardle warnt vor Ranking-Druck: Ist der PDC-Kalender zu voll?
Der internationale Darts-Sport wächst, die Turniere werden zahlreicher und die Anforderungen an die Profis steigen. Doch die Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten. Der frühere PDC-Profi und heutige TV-Experte Wayne Mardle warnt vor einem zunehmenden Druck durch die Weltrangliste. Für das Problem hat er einen bemerkenswerten Begriff gefunden: „Rankings Blackmail“.
Im Gespräch mit Tungsten Tales während des World Grand Prix in Leicester erklärte Mardle, warum es für viele Spieler immer schwieriger wird, zwischen wichtigen Turnieren, notwendigen Pausen und der eigenen Position in der PDC Order of Merit abzuwägen.
Wayne Mardle spricht von „Rankings Blackmail“
Mardles zentrale Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Turniere, sondern gegen den ständigen Druck, sich für die nächsten großen Wettbewerbe qualifizieren zu müssen.
Die PDC Order of Merit bestimmt maßgeblich, welche Spieler bei wichtigen Ranking-Turnieren startberechtigt oder gesetzt sind. Wer seine Position verbessern oder verteidigen möchte, muss regelmäßig Preisgeld sammeln.
Dadurch entsteht nach Ansicht von Mardle ein Kreislauf: Spieler treten bei immer mehr Veranstaltungen an, weil sie befürchten, andernfalls entscheidende Plätze in der Weltrangliste zu verlieren.
Besonders deutlich wird das Problem im Bereich der erweiterten Weltspitze. Während sich die Spieler auf den vorderen Positionen um eine möglichst gute Ausgangslage für große Turniere und die Premier League Darts bemühen, kämpfen andere Profis um die Qualifikation für Wettbewerbe wie den World Grand Prix.
Mardle bezeichnet diese Situation als „Rankings Blackmail“ – eine Art Erpressung durch das Ranglistensystem. Gemeint ist damit kein tatsächlicher Zwang durch die PDC, sondern der sportliche Druck, möglichst viele Startmöglichkeiten wahrzunehmen.
Immer mehr Turniere machen die Saisonplanung schwieriger
Der PDC-Kalender bietet den Spielern zahlreiche Möglichkeiten, Preisgeld und wichtige Ranglistenpositionen zu gewinnen. Neben den großen TV-Turnieren stehen Players Championships, European-Tour-Events und weitere internationale Wettbewerbe auf dem Programm.
Für die Profis bedeutet das nicht nur zusätzliche Matches, sondern auch Reisen, Training und vergleichsweise kurze Erholungsphasen.
Mardle hält es deshalb für problematisch, bereits zu Saisonbeginn einen festen Plan aufzustellen und bestimmte Turniere grundsätzlich auszuschließen.
Schließlich könne sich die sportliche Situation innerhalb weniger Monate erheblich verändern. Ein Spieler, der sich zunächst komfortabel für wichtige Wettbewerbe qualifiziert, könnte später auf einzelne Veranstaltungen verzichten. Ein anderer muss möglicherweise zusätzliche Turniere bestreiten, um seine Position zu sichern.
Die Herausforderung besteht darin, genügend Wettkampfpraxis zu sammeln, ohne sich durch einen überfüllten Spielplan zu überlasten.
Luke Littler zeigt, wie schwierig die Balance sein kann
Auch Luke Littler spielte in Mardles Überlegungen eine wichtige Rolle.
Der englische Superstar hatte beim World Grand Prix eine überraschende Erstrundenniederlage gegen Luke Woodhouse hinnehmen müssen. Mardle sieht darin allerdings keinen grundsätzlichen Grund zur Sorge.
Littler habe in den vergangenen Jahren außergewöhnliche Leistungen gezeigt. Dass selbst ein Spieler seiner Klasse gelegentlich verliere, sei völlig normal. Auffälliger sei für Mardle vielmehr gewesen, dass Littler gegen Woodhouse nicht sein gewohntes Niveau erreichte.
Interessant fand der TV-Experte zudem Littlers Entscheidung, anschließend bei der PDC World Youth Championship anzutreten.
Der junge Engländer hatte zuvor mehrfach deutlich gemacht, dass er seine Turnierbelastung kontrollieren und sich ausreichend Pausen gönnen möchte. Deshalb überraschte Mardle seine zusätzliche Teilnahme.
Gleichzeitig betonte er, dass Littler selbst am besten beurteilen könne, welche Wettkämpfe er für seine Entwicklung und seine Form benötige.
Gerwyn Price als Beispiel für die Bedeutung der Spielpraxis
Vollständig auf Turniere zu verzichten, ist nach Ansicht von Mardle allerdings ebenfalls keine ideale Lösung.
Als Beispiel verwies er auf Gerwyn Price, der bereits mehrfach erklärt habe, wie wichtig regelmäßige Wettkämpfe für seine mentale Schärfe seien.
Eine längere Pause könne zwar körperlich und mental helfen, gleichzeitig aber den gewohnten Wettkampfrhythmus beeinträchtigen.
Gerade auf höchstem Niveau entscheiden häufig Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage. Wer über mehrere Wochen keine offiziellen Matches bestreitet, muss möglicherweise erst wieder in seinen Rhythmus finden.
Mardles Einschätzung macht deutlich, dass es keine allgemeingültige Lösung gibt. Jeder Spieler muss individuell entscheiden, wie viele Turniere notwendig sind, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Muss die PDC ihren Turnierkalender überdenken?
Die Aussagen von Wayne Mardle werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wie viele Turniere verträgt der professionelle Darts-Sport?
Einerseits profitieren Spieler und Fans von einem umfangreichen Kalender. Mehr Wettbewerbe schaffen zusätzliche Verdienstmöglichkeiten, internationale Aufmerksamkeit und Chancen für aufstrebende Profis.
Andererseits erhöht die enge Verbindung zwischen Preisgeld, Weltrangliste und Turnierqualifikation den Druck, möglichst häufig anzutreten.
Besonders für Spieler außerhalb der absoluten Weltspitze kann das zum Problem werden. Sie verfügen häufig über weniger finanziellen Spielraum, um bewusst auf Ranglistenturniere zu verzichten.
Mardle fordert dabei nicht ausdrücklich eine bestimmte Kürzung des PDC-Kalenders. Seine Aussagen zeigen vielmehr, wie schwierig die individuelle Turnierplanung inzwischen geworden ist.
Die Diskussion dürfte auch mit Blick auf die kommenden großen PDC-Turniere relevant bleiben. Denn je näher die entscheidende Saisonphase rückt, desto wichtiger werden Ranglistenplätze, Qualifikationen und die Frage nach der richtigen Belastungssteuerung.
Mardles Warnung macht eines deutlich: Mehr Darts bedeutet nicht automatisch bessere Voraussetzungen für jeden Profi.








