Nathan Aspinall wehrt sich gegen Online-Hass – droht Strafe?

Nathan Aspinall wehrt sich gegen Online-Hass – nach starkem World Grand Prix droht zudem Ärger
Nach seinem Halbfinal-Aus beim World Grand Prix hat Nathan Aspinall eine klare Botschaft an jene geschickt, die ihn und seine Familie in den sozialen Netzwerken beleidigt haben. Gleichzeitig könnte der Engländer wegen eines hörbaren Fluchs während der Niederlage gegen Gerwyn Price noch Ärger mit der Darts Regulation Authority bekommen.
Sportlich blickt Aspinall trotz des bitteren Endes positiv auf die Woche in Leicester zurück. Der 35-Jährige erreichte sein erstes großes Major-Halbfinale seit längerer Zeit und produzierte im Viertelfinale eine der besten Leistungen seiner Karriere.
Gerade deshalb möchte er seine schwächere Vorstellung gegen Price nicht zum Maßstab für das gesamte Turnier machen.
Aspinall: Von 105,15 Average zum schwierigen Halbfinale
Der Kontrast zwischen den beiden letzten Auftritten von Aspinall Darts könnte kaum größer gewesen sein.
Im Viertelfinale gegen Ryan Joyce gewann „The Asp“ mit 3:0 und spielte einen Average von 105,15 Punkten. Es war der beste Viertelfinal-Average in der Geschichte des World Grand Prix und insgesamt einer der höchsten Werte, die bei dem Double-in-Double-out-Turnier jemals erreicht wurden.
Nur einen Tag später fand Aspinall gegen Gerwyn Price zunächst überhaupt nicht in sein Spiel.
Price ging schnell mit 3:0 nach Sätzen in Führung. Aspinall kämpfte sich zwar auf 3:2 zurück, konnte das Comeback diesmal aber nicht vollenden und verlor schließlich mit 2:5.
Nach dem Turnier bezeichnete Aspinall den Auftritt gegen Joyce sinngemäß als eine seiner besten Bühnenleistungen überhaupt – gefolgt von einem seiner schwächsten Matches am nächsten Abend.
Für ihn überwiegen trotzdem die positiven Aspekte: ein weiteres Major-Halbfinale, eine herausragende Einzelleistung und wichtige Fortschritte in der Weltrangliste.
Beleidigungen gegen Aspinall und seine Familie
Deutlich ernster wurde Aspinall bei einem anderen Thema.
Nach dem Halbfinal-Aus waren offenbar nicht nur gegen ihn selbst, sondern auch gegen seine Familie und Personen aus seinem engen Umfeld beleidigende Nachrichten gerichtet worden.
Aspinall reagierte öffentlich und machte deutlich, was er von solchen Angriffen hält.
Für Profispieler gehören kritische Kommentare nach Niederlagen längst zum Alltag. Persönliche Angriffe gegen Partner, Kinder oder andere Familienmitglieder überschreiten jedoch eine völlig andere Grenze.
Aspinall kündigte zunächst eine kurze Pause an. Nach den intensiven Tagen beim PDC World Grand Prix will er einige Wochen mit seiner Familie verbringen, bevor die nächste Phase der Saison beginnt.
Fluch im Live-TV könnte Konsequenzen haben
Zusätzlich könnte Aspinalls Halbfinale noch ein sportrechtliches Nachspiel bekommen.
In der Schlussphase des Matches gegen Price war der Engländer deutlich frustriert. Nachdem zwei Darts ihr Ziel verfehlt hatten, rief Aspinall einen Fluch in Richtung Board. Die Worte waren über die Mikrofone klar in der TV-Übertragung zu hören.
Die Kommentatoren entschuldigten sich unmittelbar bei den Zuschauern.
Nach den Regeln der Darts Regulation Authority kann offensive Sprache während eines Matches zu einer Geldstrafe oder einer anderen disziplinarischen Maßnahme führen. Ob Aspinall tatsächlich bestraft wird und wie hoch eine mögliche Sanktion ausfallen könnte, ist bislang nicht bestätigt.
Es wäre allerdings nicht ungewöhnlich, wenn ein solcher Vorfall nachträglich geprüft wird.
Auch Gerwyn Price kritisierte Aspinalls Verhalten
Schon unmittelbar nach dem Halbfinale hatte Gerwyn Price über die Stimmung während des Matches gesprochen.
Price erklärte, dass Aspinall sich über das Publikum beschwert habe. Aus Sicht des Walisers sei die Menge allerdings eher auf der Seite seines Gegners gewesen.
Price habe Aspinall deshalb geraten, sich weniger mit dem Publikum zu beschäftigen und sich stärker auf sein eigenes Spiel zu konzentrieren.
Trotz dieser Kritik machte Price deutlich, dass zwischen beiden grundsätzlich ein gutes Verhältnis besteht. Die Situation scheint eher aus der Spannung eines wichtigen Major-Halbfinals entstanden zu sein als aus einem persönlichen Konflikt.
Für Aspinall bleibt sportlich viel Positives
Bei all den Diskussionen sollte der sportliche Teil nicht verloren gehen.
Aspinall erreichte beim World Grand Prix erstmals seit Jahren wieder die entscheidende Phase eines großen Ranglistenturniers. Sein 105,15-Average gegen Joyce zeigte zudem, dass sein absolutes Topniveau weiterhin außergewöhnlich hoch ist.
Auch in der PDC Order of Merit machte er einen großen Sprung und rückte nach dem Turnier bis unmittelbar vor die Top 10 vor.
Für Nathan Aspinall endet Leicester deshalb mit zwei sehr unterschiedlichen Geschichten: sportlich mit neuem Selbstvertrauen und einer seiner besten Leistungen überhaupt – abseits des Boards dagegen mit Online-Hass gegen sein Umfeld und möglicherweise noch einer disziplinarischen Konsequenz.
Nach einer kurzen Pause soll für „The Asp“ wieder der Darts-Sport im Mittelpunkt stehen.








