Stephen Bunting: Todesdrohungen und der Weg zurück

Stephen Bunting offen wie nie: Todesdrohungen, Glücksspielsucht und der schwere Weg zurück
Stephen Bunting gehört zu den beliebtesten Spielern im professionellen Darts. Sein Einlauf zu „Titanium“, seine offene Art und die besondere Verbindung zu den Fans haben ihn zu einer der bekanntesten Figuren der PDC gemacht. Hinter der gut gelaunten Bühnenfigur liegen jedoch Jahre, über die Bunting lange kaum gesprochen hat.
In seiner neuen Autobiografie „Bulletproof: From Pub to Palace, My Life in Darts“ erzählt der Engländer von Todesdrohungen, schweren Selbstzweifeln und einer Glücksspielsucht, die ihn rund 90.000 Pfund kostete. Zeitweise war Bunting überzeugt, seine Karriere beenden und in einen normalen Beruf zurückkehren zu müssen.
Das Buch erscheint am 10. September 2026. Passend dazu spricht der Darts-Star so offen wie selten zuvor über die dunkelsten Momente seines Lebens und den langen Weg zurück.
Todesdrohungen nach einer bitteren Niederlage
Die jüngsten Probleme begannen nach einem überraschenden Aus bei der vergangenen Darts-Weltmeisterschaft. Bunting war als einer der Favoriten in das Turnier gestartet, verlor jedoch in der dritten Runde gegen James Hurrell.
Kurz nach dem Match erhielt er über soziale Netzwerke aggressive Nachrichten. Einige Menschen machten ihn für verlorene Wetten verantwortlich. Aus Beleidigungen wurden schließlich konkrete Drohungen gegen Bunting und seine Familie.
Besonders schwer traf ihn, dass auch sein Sohn Toby angegriffen wurde. Der Jugendliche tritt regelmäßig in den Videos seines Vaters auf und hat sich dadurch selbst eine kleine Fangemeinde aufgebaut. Nach der Niederlage seines Vaters wurde er nicht nur online beleidigt, sondern auch in der Schule gemobbt.
Die Familie entschied sich schließlich für einen Schulwechsel. Toby besucht inzwischen eine Privatschule und fühlt sich dort deutlich wohler. Bunting selbst zog ebenfalls Konsequenzen. Auf der Plattform X ist er zwar weiterhin vertreten, beteiligt sich aber kaum noch persönlich an Diskussionen.
Die gefährliche Verbindung zwischen Darts und Wetten
Der Fall zeigt erneut, wie problematisch die Verbindung zwischen professionellem Sport, Onlinewetten und sozialen Medien sein kann. Spieler werden nach Niederlagen regelmäßig von Menschen beschimpft, die Geld auf ihre Matches gesetzt haben.
Dabei wird oft vergessen, dass auch die besten Darts Spieler keine Maschinen sind. Ein verpasstes Doppel oder ein schwächerer Average gehört zum Sport. Für manche Personen reicht das jedoch aus, um ihre Wut direkt an den Spielern auszulassen.
Stephen Bunting hatte bereits früher erlebt, wie belastend die Reaktionen eines Publikums sein können. Ein Premier League Match in Glasgow blieb ihm besonders in Erinnerung. Nachdem er gegen Peter Wright eine deutliche Führung verspielt hatte, wurde er so heftig ausgebuht, dass er die Bühne nur noch verlassen wollte.
Heute kann Bunting besser mit solchen Situationen umgehen. Die Angriffe gegen seine Familie hinterließen trotzdem Spuren.
90.000 Pfund Schulden durch Onlineglücksspiel
In „Bulletproof“ beschäftigt sich Bunting nicht nur mit den Schattenseiten seiner Bekanntheit. Er schreibt auch über eine eigene Glücksspielsucht, die während einer sportlich und mental schwierigen Phase entstand.
Bunting spielte auf seinem Smartphone an virtuellen Spielautomaten. Die einzelnen Einsätze wirkten klein, doch ihre Anzahl wuchs immer weiter. Lange verstand er selbst nicht, wie viel Geld er bereits verloren hatte.
Erst als seine Partnerin Keila die Kontoauszüge sah, wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Insgesamt hatten sich rund 90.000 Pfund an Verlusten und Schulden angesammelt. Bunting war schockiert und musste die Folgen noch Jahre später bezahlen.
Das Glücksspiel war für ihn zu einem Ausweg aus dem sportlichen Druck geworden. Statt seine Probleme zu lösen, verschlechterte es jedoch seine mentale und finanzielle Situation. Bunting beendete schließlich dieses Verhalten und geriet nach eigener Aussage nie wieder in eine vergleichbare Abhängigkeit.
Stephen Bunting wollte seine Karriere beenden
Der sportliche Tiefpunkt kam vor etwa fünfeinhalb Jahren. Bunting verlor bei einem lokalen Ligaspiel mit 0:3 gegen einen Amateur. Seine Hände waren kalt, sein Selbstvertrauen verschwunden und selbst einfache Würfe fühlten sich plötzlich schwierig an.
Nach dem Match rief er seinen damaligen Manager an. Bunting erklärte, dass er Hilfe benötige und ohne eine schnelle Veränderung mit dem professionellen Darts aufhören werde.
Er suchte bereits im Internet nach anderen Arbeitsplätzen. Eine Rückkehr zu seinem früheren Arbeitgeber bei der Gemeindeverwaltung erschien plötzlich realistischer als ein weiteres Jahr auf der PDC Tour.
Nach Turnieren zog sich Bunting häufig allein in sein Schlafzimmer zurück. Niederlagen beschäftigten ihn über Stunden oder Tage. Er fühlte sich nutzlos und hatte zunehmend das Gefühl, die Kontrolle über seine Karriere verloren zu haben.
Psychologische Hilfe verändert seine Karriere
Der Anruf bei seinem Manager wurde zum Wendepunkt. Bunting begann mit einem Sportpsychologen und einem Hypnotherapeuten zu arbeiten. In den Sitzungen ging es um Selbstvertrauen, positive Gedanken und die mentale Vorbereitung auf Drucksituationen.
Die Veränderung erfolgte nicht sofort. Schritt für Schritt fand Bunting jedoch wieder zu seinem Spiel. Er lernte, Niederlagen anders zu verarbeiten und negative Gedanken nicht mehr mit in das nächste Match zu nehmen.
Hypnotherapie ist bis heute ein Teil seiner Vorbereitung. Vor wichtigen Turnieren oder nach schwierigen Wochen nimmt Bunting zusätzliche Sitzungen in Anspruch. Er sieht diese Arbeit als einen wichtigen Grund dafür, dass er weiterhin auf höchstem Niveau spielen kann.
Seine Erfolge machten die Entwicklung auch auf der Bühne sichtbar. Bunting gewann wieder große Matches, holte wichtige Titel und wurde zu einem festen Bestandteil der internationalen Spitze. Aus einem Spieler, der bereits nach einem anderen Beruf suchte, wurde erneut einer der bekanntesten Namen im Darts.
Warum die Fans Stephen Bunting lieben
Buntings Popularität hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Sein Walk-on mit „Titanium“ gehört zu den lautesten Momenten vieler PDC-Abende. Inzwischen wird er nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den USA und anderen Ländern erkannt.
Trotz des Erfolgs spielt er weiterhin gelegentlich in lokalen Ligen. Diese Nähe zu den Wurzeln des Sports ist ein Grund, warum sich viele Fans mit ihm identifizieren können.
Bunting glaubt außerdem, dass Darts mehr als hohe Averages und große Checkouts benötigt. Persönlichkeit und Emotionen gehören für ihn genauso zum Sport. Genau das zeigt er bei jedem Einlauf und nach fast jedem Sieg.
Seine Offenheit über Glücksspielsucht, mentale Probleme und Onlinehass gibt dieser öffentlichen Figur nun eine andere Tiefe. „Bulletproof“ erzählt nicht nur von Trophäen. Das Buch zeigt, was hinter den Kulissen passieren kann, wenn Ergebnisse ausbleiben und der Druck immer größer wird.
Bunting richtet den Blick wieder auf die Bühne
Sportlich wartet bereits die nächste Herausforderung. Bei der Flanders Darts Trophy 2026 gehört Stephen Bunting zu den gesetzten Spielern. Er beginnt das Turnier am Samstag gegen Dirk van Duijvenbode oder Brendan Dolan.
Wer Darts heute verfolgt, sieht einen selbstbewussten Spieler, der die Atmosphäre auf großen Bühnen genießt. Der Weg dorthin war jedoch deutlich schwerer, als es sein Lächeln beim Walk-on vermuten lässt.
Stephen Bunting hat Schulden, Depressionen, sportliche Krisen und öffentliche Angriffe überwunden. Seine Geschichte ist deshalb mehr als eine klassische Darts-Biografie. Sie zeigt, wie wichtig es sein kann, Probleme offen anzusprechen und rechtzeitig Hilfe anzunehmen.









